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Ski-& Snowboardtourenlager Binntal
Von Äpfel, Birnen und zwei Rucksäcken…

 

Am Samstag den 22. Februar wurde der Bahnhof SBB zur Anlaufstelle motivierter Berggänger, unmiskennbar dank des vielen J+S Materials. Wir reisten gemütlich per Zug bis nach Fiesch wo wir in ein kleines Büssli umstiegen, welches uns bis zum Beginn des Hüttenaufstiegs brachte.
Hier wurde angefellt, Sonnencrème eingestrichen, Ruedi, unserem Bergführer wegen einer vergessenen Gletscherbrille angerufen und Joel schulterte seine beiden Rucksäcke. Ja, es waren zwei Rucksäcke. Einer vorne einer hinten. Ein hübsches Bild und ganz offensichtlich auch sehr praktisch und ergonomisch. Nicht nur über die beiden Rucksäcke sondern auch über den Inhalt (unter anderem acht Äpfel, nahezu sein einziges Mittagessen) wurde im Verlauf des Lagers genug geredet und gelästert.

 

Der Zustieg zur frisch renovierten Binntalhütte verlief wegen Schneemangel auf der Talsüdseite nicht wie geplannt trotzdem aber ziemlich reibungslos: Joel schleppte seine beiden Rucksäcke problemlos hinauf und auch alle die zum ersten mal seit langem oder zum ersten mal überhaupt auf Skitour waren, kamen gut mit. 

 

Obwohl uns laut Homepage eine unbewartete Hütte erwarten, wurden wir sogleich mit einem Wilkommenstee begrüsst und am Abend mit feinstem Fondue verwöhnt. Später wies man uns dann ins Ricola Zimmer, das angeblich schönste Zimmer der Binntalhütte (wir haben es überprüft: es stimmt wirklich, die Aussicht ist der Hammer) wo wir uns ausbreiteten. 

 

Ausgeschlafen und nach ausgiebigem Frühstück begann unsere erste richtige Tour. 600 Höhenmeter versprach uns Thomi: mit einer gemütlichen Tour in die Woche starten. Doch diese angeblichen 600 Höhenmeter zogen sich unglaublich in die Länge. Es ging hoch und hoch und hoch bis wir auf einer Ebene Halt machten, dort zMittag assen (unter anderem Brot und Chäs) abfellten und schliesslich kehrt machten ohne unseren Gipfel zu erreichen. In der Hütte verriet ein Blick auf Paulas super Bergsteiger-Uhr, dass wir die 600 Höhenmeter leicht übertroffen hatten: schlussendlich waren es 1200.

 

Vielleicht hat diese leichte Verschätzung damit zu tun, dass Ruedi unser Bergführer erst am Sonntag Abend zu uns stiess. Wer weiss…
Auf jeden Fall stand am nächsten Tag bei strahlendem Sonnenschein tatsächlich eine kleine Tour auf dem Programm. Wir stiegen auf einen Pass hinauf (auch kein Gipfel) wo uns prächtige Aussicht auf die umliegenden Bergdspitzen belohnte. Nach einer Abfahrt die irgendwo zwischen Pulver und Bruchharsch eingeordnet werden muss und dem Mittagessen (wieder Brot und Chäs) folgte ein hoch informativer Theorieblock bezüglich LVS-Suche. 

Alle die sich noch nicht genügend angestrengt hatten, konnten sich bei der Suche nach verbuddelten LVS schön ausstoben. Zudem wurde die Freundschaft durch gegenseitiges Sondierstangen-piksen verstärkt. Auch ein Blick aufs Schneeprofil und ein eigenwilliger Ski der zu Tale schoss gehörten zum Tagesprogramm.

 

Am Diensatg wollten wir dann nochmals versuchen einen Gipfel zu besteigen: das Ofenhorn. Bei optimalen Bedingungen begann der Aufstieg, der uns über eisige Flächen führte (gutes Training für unseren Kamikaze-Gian, der die richtigen Harscheisen aber die falschen Ski oder andersherum dabei hatte) bis zu einem Steilhang und über einen Pass wo die Ski auf die Rucksäcke geschnallt wurden. Doch auch Heute wollte uns der Gipfel nicht gelingen. Der Wind meinte es nicht gut mit uns und schliesslich kehrten wir wieder in die Binntalhütte zurück.
Langsam hatte auch das Abendprogramm eine gewisse Routine: immer gingen ein Paar nach draussen auf der Suche nach Netz (die Swisscom User wurden tatsächlich fündig), einige der dreibeinigen Hocker im Esssaal wurden umgeworfen, es wurde gejasst oder Carambole gespielt, Nina und Alex bedienten sich in der Küche an Zutaten und zauberten wunderbare Desserts hervor und Joel wurde wieder und wieder daran erinnert, dass seine Äpfel sehr gut für diese Desserts zu gebrauchen wären. Wieso er sein Mittagessen nicht abgeben wollte ist natürlich völlig unverständlich...
Und auch in der Nacht; ob beruhigende Schnarchgeräusche, wildes armgefuchtel zur Freude des Nachbars oder Ruedis Halluzinationen (draussen schaufelt jemand herum!): es war nie ganz ruhig.

 

Am Mittwoch war es grusig und zwar so richtig. Darum hielt die Leitung es für eine gute Idee uns den Schutz gegen die Witterung selber Bauen zu lassen: ein Schneebiwak. Nicht nur eins sondern gleich zwei Fünfsterne – Unterkünfte wurden errichtet. Auch um die Hütte herum hinterliessen unsere Schaufelkünste ihre Spuren. Der Weg zur Eingangstür wurde auf sehr künstlerische Art und Weise freigeschaufelt. Zudem hatten wir von unseren beiden jurassischen Hüttenwarten Jean-Phillipe und Markus den Auftrag bekommen herauszufinden, ob ein im Sommer fliessender Bach auch im Winter floss. Mit Hilfe der Schneehexe stiessen wir bis zum Bachbett vor – leider ein leeres.

 

Den Anfang des Aufstiegs zum Ofenhorn wollten wir am Donnerstag bei Schnee und Wind en Masse ein zweites mal versuchen. Da uns die pulvrige Abfahrt so gefiel, wagte es die Mehrheit nach dem Mittagessen nochmals nach draussen um die am Vortag gebauten Biwaks zu suchen. Bei Temperaturen und Schneemengen wo die beschlagene Brille gleich gefriert und bei denen der Feueralarm der Hütte ausgelöst wurde weil der Kamin zugeschneit war, fanden wir diese nur mit etwas Glück. Auf dem Rückweg war das Wetter so schlecht, dass sogar das GPS zum Einsatz kam.
Am letzten Abend wurde uns der Gaumen nochmals mit Nina und Alex’ Dessert verwöhnt welches nicht ohne Apfel- und Birnenspenden möglich gewesen wären. Danke Joel, Tilla und Hannes!

 

Die Abreise verschoben wir um einen Tag nach vorne. Über den Holxerspitz (unser erster und einziger Gipfel!) kamen wir über die absolut schönsten, genialsten und pulvrigsten Hänge der Woche, nicht ohne ein Paar Tauchgänge in den Schnee, zurück in die Zivilisation. Hier erreichten uns sogleich Nachrichten über die wegen des Coronavirus abgesagte Fasnacht. Und gleich der Folgegedanke: gegen zwei Wochen Quarantäne auf der Binntalhütte hätte wohl niemand etwas gehabt!

 

Vielen Dank an alle für die super Zeit. Es war wieder mal viel zu schnell vorbei! 

 

René

 

Gefangen auf der Binntalhütte wären gewesen:

 

Thomi Lipps
Ruedi Amrhein
Paula Hofstetter
Alex Hotz
Nina Lipps
Tilla Gallay
Hannes Hui
Gian Schneider
Marius Huwyler
Joel Greiner 
René Heyn